Bachmann und Runschke - Ingenieur- und Sachverständigenbüro für das Bauwesen

Mustergutachten im Bau - Tiefgarage

Tiefgarage Erkennung der Schäden - Analyse zum Schadensumfang

Schadensanalyse - Augenscheinliche Feststellungen

Tiefgarage

Baujahr 2003 – augenscheinlich guter Zustand ohne signifikante auch für Laien auffällige Schäden

Salzablagerungen am Boden des Stellplatzes 28 infolge von tausalzhaltigem Wasser, dass durch die Pkw eingeschleppt wurde

Für den technischen Laien „harmlose“ Farbabblätterungen an der Betonstütze infolge Einwirkung durch tausalzhaltigem Wasser – für den Sachverständigen erste Anzeichen einer beginnenden bzw. bereits eingetretenen schweren Schädigung

Bei genauer Inaugenscheinnahme beginnende Korrosion eines oberflächennahen Bewehrungsstahles im Beton der Stahlbetonstütze

 

Feuchteschäden an den verputzten Betonstützen beidseits des Zugangs zur Tiefgaragenschleuse infolge ungenügenden Feuchteschutzes


Schadensanalyse – techn. Messungen

Zur Überprüfung der vorhandenen Betondeckung, d.h. dem Maß der Stärke des Betons bis zum Bewehrungsstahl wird zunächst eine Vorsondierung mit dem ThyssenPrüfmagnet vorgenommen.

Das Haften des Magneten zeigt regelmäßig eine starke Unterdeckung von lediglich ca. 5 mm bis 10 mm.

Stellen mit festgestellter unzureichender Betondeckung werden zunächst mit roter Kreide an der Wand markiert

Für die genaue Ermittlung der Betondeckung setzen wir das Betondeckungsmessgerät Profometer 5 der Fa. Proceq ein.

Links ist die gelbe Messsonde und rechts das Messgerät mit Datenanzeige sichtbar.

Es wird ein Messwert von 40 mm (=Betondeckung bis zum Bewehrungsstahl) gemessen.

Die Auswertung der Messergebnisse der Messung der Betondeckung erfolgt statistisch mit Hilfe spezieller Software.

Das obige Diagramm mit Wertetabelle zeigt die Auswertung der gewonnen Messdaten.
Die rot dargestellten Werte zeigen die Unterschreitungen der erforderlichen Betondeckung für den Sockel von Wand und Stützen sowie für den Tiefgaragenboden von mindestens 40 mm.

Um den Chlorideintrag in den Beton und damit das Maß der Schädigung zu überprüfen werden an verschiedenen repräsentativen Stellen Bohrmehlproben entnommen. Anhand dieser Proben wird der Chloridgehalt in verschiedenen Tiefen bestimmt.

Auf dem Foto wird die Bohrmehlprobe in der Bodenkehle, einem erfahrungsgemäß kritischen Bereich, gezeigt.

Allgemein gilt ein Chloridgehalt von 0,4 Massen-% bezogen auf den Zementgehalt des Betons, gemessen in Höhe der Bewehrung als kritische Grenze.

Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass auch bereits bei Werten unter 0,4 Massen-% Chloridkorrosion auftreten kann. Die Untersuchungsergebnisse sind deshalb immer durch einen besonders Sachkundigen zu beurteilen.

Zur Überprüfung der Karbonatisierung des Betons (= Neutralisation der schützenden Wirkung des Calciumhydroxids gegen Korrosion des Bewehrungsstahles) werden chem. Tests mittels Phenolphthalein vorgenommen.

Der lila Farbumschlag kennzeichnet den noch intakten Beton. Im Bild ist erkennbar, dass dieser erst ca. 10 mm hinter dem Bewehrungsstahl beginnt. Der den Stahl umgebende Beton hat seine Schutzwirkung verloren.

Die Dauerhaftigkeit der Tiefgarage ist neben der Betongüte in wesentlichem Maß von der Ausführungsqualität der Beschichtung sowie dem fachgerechten Schichtaufbau der Beschichtung abhängig.

Die Beschichtung wird deshalb von uns durch bauseitige Untersuchungen eines bauchemischen Labors überprüft.


(Foto: Labor Dr. Schuh & Partner)

Das Foto zeigt eine elastische OS 11 Beschichtung mit nur ca. 2 mm dicker Beschichtung. Die erforderliche Schichtdicke von 4 mm wird erheblich unterschritten. Die Rissüberbrückungsfähigkeit und die Lebensdauer (Verschleißwiderstand) sind dadurch stark verringert.

Ergebnis

Die untersuchte Tiefgarage zeigt trotz einer augenscheinlich nur geringen Schädigung einen umfangreichen Sanierungsbedarf. Die erforderliche Betondeckung von mindestens 40 mm an Stützen- und Wandsockeln ist vielfach erheblich unterschritten. Die gemessenen Chloridwerte in Höhe der Bewehrung zeigen sich extrem hoch. Diese überschreiten mit Werten von 1,1 bis 2,4 Massen-% den zulässigen Wert von 0,4 Massen-% um das bis zu 5 -fache.

Da die Tiefgarage keine ordnungsgemäße Entwässerung aufweist ist aufgrund des „Sudpfanneneffekts“ eine stetige Zunahme dieser Werte und damit auch der Schädigung zu erwarten.

Die Tiefgarage muß umgehend saniert werden.

© Bachmann & Runschke PartG mbB

 

Mustergutachten

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